Der Vatertag

 

Unser Vater ist der beste,
abends schnarcht er laut im Bett,
kommt spät nach Haus, isst dann die Reste
darum wird er langsam fett.

Auch die Haare werden grauer,
sein Gedächtnis ist ein Sieb,
früher, mein ich, war er schlauer,
trotzdem haben wir ihn lieb.

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Liebe Mutti

Wir wären nie gewaschen
und meistens nicht gekämmt,
die Strümpfe hätten Löcher
und schmutzig wär’ das Hemd!

Wir äßen Fisch mit Honig
und Blumenkohl mit Zimt,
wenn Du nicht täglich sorgest,
das alles klappt und stimmt.

Wir hätten nasse Füße
und Zähne schwarz wie Russ-
und bis zu beiden Ohren
die Haut voll Pflaumenmus.

Wir könnten auch nicht schlafen
wenn du nicht noch mal kämst
und uns, bevor wir träumten
in deine Arme nähmst.

Und trotzdem!
Sind wir alle auch manchmal eine Last:
Was wärst du ohne Kinder?
Sei froh, dass du uns hast!

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Da kommt mir eben so ein Freund…

Da kommt mir eben so ein Freund
Mit einem großen Zwicker.
Ei, ruft er, Freundchen, wie mir scheint,
Sie werden immer dicker.

Ja, ja, man weiß oft selbst nicht wie,
So kommt man in die Jahre;
Pardon, mein Schatz, hier haben Sie
Schon eins, zwei graue Haare! –

Hinaus, verdammter Kritikus,
Sonst schmeiß ich dich in Scherben.
Du Schlingel willst mir den Genuss
Der Gegenward verderben!

Wilhelm Busch

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Maiwonne?

von © Ingrid Herta Drewing 

Von wegen „Wonnemonat Mai“!
Hier wettert graues Einerlei.
Es weint der Himmel sich vor Graus
die schönen, blauen Augen aus.

Denn von der Sonne keine Spur;
verwundert sucht man sie hier nur.
Hat der Vulkan zu viel gespuckt,
dass sie beleidigt weg jetzt guckt?

Den Frühling stört das wohl noch nicht;
er lacht mit blühendem Gesicht.

Doch wenn der Mai so weiter graut,
kühl, windig in die Landschaft schaut,
dann werden sich die Bienen hüten
zu fliegen emsig zu den Blüten.

Das stört nicht nur den Imker dann,
wer Obst anbaut, der Gärtner kann
im Herbst auf Ernte kaum noch hoffen,
auch der Verbraucher ist betroffen.

Drum komm doch Sonne, bring dem Mai
das Wonnige ganz schnell noch bei!

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